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Zeichen gelebter Demokratie

Regensburg (DK) Eine Überraschung war es nicht: Der Regensburger Gestaltungsbeirat hat sich gestern gegen die schrill bunte Fassade des Hauses von Malermeister Franz Rebl ausgesprochen. Die Stadt will nun rechtliche Schritte gegen die Fassadengestaltung prüfen lassen.

Das Haus im Stadtteil Steinweg nördlich der historischen Altstadt fällt auf: rote, grüne, gelbe, violette und rosarote Klekse. Doch dies monierten die Gestaltungsbeiräte bei ihrer Sitzung gestern nicht grundsätzlich. "Individuelle und lokale Züge sind modern", meinte Carl Fingerhuth aus Zürich, der Sprecher des Gremiums. Anstößig fanden die Beiräte aber die "Lautstärke seiner Farbgebung". "Die Intensität der Selbstdarstellung, die Art, wie man sich radikal von seinem Umfeld absetzt und wie man beansprucht, ein Sonderfall zu sein", das stieß bei den Beiräten auf Widerspruch. Fingerhuth erklärte, dass es nur sekundär um das Haus an sich gehe.

Man wolle als Gestaltungsbeirat einen Präzedenzfall verhindern, der sich negativ auf die gesamte Stadtentwicklung auswirken könnte, weil sich von da an jeder Interessent auf das Rebl-Haus berufen könne. Aus ihrer persönlichen Meinung machten die fünf Architekten des Gremiums denn auch keinen Hehl. Von "banal", "pornografisch", "scheußlich" bis "kann man nicht ernst nehmen" reichte ihr persönliches Urteil. Bereits seit Monaten war das Miets- und Geschäftshaus auf sehr emotionale Weise von den Bürgern diskutiert worden. Seine Bewohner sprechen allerdings durchweg positiv von der neuen Gestaltung. Für eine ältere Frau ist es gar ein "Zeichen gelebter Demokratie". Eine junge Familie, die gestern am Haus vorbeispazierte, erklärt, dass das Gebäude wie "ein Mahnmal gegen das graue Einerlei" wirke.

Der Eigentümer des Hauses, Malermeister Rebl, und auch der Künstler Carsten Kruse, der das Haus umgestaltet hat, waren dem Termin gestern fern geblieben. Sie stellten sich nicht der Diskussion. Auf seiner Homepage bezeichnet Rebl das Bauwerk als Werbung für sein Malergeschäft. Baureferentin Christine Schimpfermann sieht darin einen Anhaltspunkt, die Fassadengestaltung juristisch zu verbieten. "Bislang hatten wir Anlagen mit Werbung, aber nicht gesamte Gebäude als Werbeträger", so Schimpfermann. Der Anstrich an sich sei legal. Ein Bebauungsplan für das Quartier existiere nicht. Die Ansicht der Beiräte will die Stadt als Grundlage für ihre Entscheidung nehmen. Oberbürgermeister Hans Schaidinger (CSU) hatte zuvor erklärt, dass die Meinung der fünf unabhängigen Fachleute seit zehn Jahren ein hohes Gewicht bei Entscheidungen habe. "Ich wüsste nicht, warum das dieses Mal anders sein sollte", sagte Schaidinger.

Copyright: Gabiele Ingenthron, zur Verfügung gestellt von Carsten Kruse (www.carstenkruse.com)